Guter Journalismus ist vielfältig.

Wir sind die Neuen deutschen Medienmacher*innen. Ein bundesweites Netzwerk von Journalist:innen mit und ohne internationale Geschichte. Wir setzen uns für gute Berichterstattung und für vielfältiges Medienpersonal ein: Vor und hinter den Kameras und Mikrophonen. An den Redaktionstischen. Und auch in den Planungsstäben, Führungsetagen und Aufsichtsgremien.

Formulierungshilfen für die Berichterstattung zur Neonazi-Mordserie

Empfehlungen der Neuen deutschen Medienmacher:innen

Bei der Beschreibung rechtsextremer Straftaten auf die Wortwahl achten: Die Taten waren rassistisch motiviert, nicht "fremdenfeindlich".

Eine differenzierte Wortwahl bei der Beschreibung extremistisch motivierter Straftaten trägt wesentlich zu einer qualitativ hochwertigen und verantwortungsbewußten Berichterstattung bei. Um diskriminierende Sprache zu vermeiden und eine angemessenen Darstellung der jüngsten Ereignisse sicherzustellen, bitten wir folgende Empfehlungen zu beachten:

 

“Döner-Morde”

Dieser Begriff wirkt verharmlosend, er ist diskriminierend, wertet die Opfer einer rassistischen Mordserie herab und bedient das Stereotyp: Türke = Döner. Verwendet mit dem Zusatz “sogenannte” Döner-Morde, verliert dieser Begriff nur wenig von seiner entwertenden stigmatisierenden Wirkung.

Es ist bekannt, daß nur ein Mordopfer Betreiber eines Döner-Imbiss’ war und ein zweites Opfer in einem Döner-Imbiss ermordet wurde, unter den weiteren Getöteten ist ein Blumenhändler, ein Änderungsschneider, zwei Gemüsehändler, ein Schlüsseldienst-Betreiber, ein Kioskbesitzer und der Inhaber eines Internet-Cafés, weshalb der Begriff nicht das Tatmuster / die Mordserie beschreibt, sondern nur die Opfer unzulässig und falsch kategorisiert.

 

Die Opfer

Wir empfehlen die Opfer nicht als “Türk:innen” oder “Migrant:innen” zu bezeichnen (unter ihnen waren sowohl zwei Deutsche, als auch ein Grieche). Eher auf die Gruppe der Mordopfer zutreffende Bezeichnungen sind z.B. Kleingewerbetreibende, Geschäftsleute, Klein-Unternehmer:innen.

Sie wurden von den Täter:innen als nicht-deutsch wahrgenommen. Es ist also wichtig die Morde als rassistisch motiviert zu beschreiben, dies muß aber nicht anhand der Übernahme dieser Typisierung der Opfer durch die Medien geschehen.

 

Die Motivation

Die Mordserie als “fremdenfeindlich” motiviert zu bezeichnen trifft nicht zu, da die Taten nicht gegenüber Fremden, wie z.B. Tourist:innen verübt wurden. Es wurden Mitbürger:innen ermordet, die seit vielen Jahren unter uns lebten und zum Teil Deutsche waren.

Eine Zuschreibung “ausländerfeindlicher” Motive im Fall der aktuellen Mordserie ist ebenso ungenau, denn damit wird unterstellt bzw. kommuniziert, daß z.B. die türkischstämmigen Opfer automatisch “Ausländer:innen” sind und somit keine Deutschen sein können; schon gar keine deutschen Muslim:innen. Daß die Neonazis die Ermordeten durchaus als Ausländer:innen und Fremde sehen bzw. sahen und sicher auch beschrieben, ist kein Grund es ihnen gleich zu tun.

Zutreffend ist es diese Taten als rassistisch, bzw. rassistisch motiviert, rechtsextrem oder neonazistisch motiviert zu bezeichnen.

 

November 2011

Neue deutsche Medienmacher:innen

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