Redaktionen sind keine diskriminierungsfreien Räume

Als Neue deutsche Medienmacher*innen wissen wir, dass viele Journalist:innen mit Migrationsgeschichte an ihrem Arbeitsplatz diskriminierende Erfahrungen machen. Verlage und Sender sind keine diskriminierungsfreien Räume, auch wenn die Verantwortlichen in Redaktion das noch immer oft betonen. Deshalb bieten wir schnelle Hilfe und Antworten auf die dringlichsten Fragen zum Thema Diskriminierung im journalistischen Arbeitskontext – für Betroffene und ihre Verbündeten.

Was kann ich tun, wenn ich diskriminiert werde?

In der Situation:

  1. Achte auf Dich: Diskriminierungen sind verletzend und können sich entwürdigend anfühlen. In solch einer Situation musst Du niemanden etwas beweisen. Die Situation zu verlassen, ist genauso in Ordnung wie eine sachliche Auseinandersetzung oder ein deutliches „Stopp!“.
  2. Bewahre Ruhe: Atme tief durch und lass Dich nicht verunsichern. Du solltest versuchen, ruhig zu bleiben und Deine Position klarzumachen.
  3. Suche Unterstützer:innen: Das können (un)beteiligte Kolleg:innen sein, die Du ansprechen und einbeziehen kann – sei es als emotionale Unterstützung oder als spätere Zeug:innen.
  4. Sichere Beweise: Die Begründung für eine Entscheidung oder Handlung solltest Du Dir schriftlich geben lassen, um einen Beweis zu haben. Ebenso solltest Du Namen von Beteiligten oder Zeug:innen einer Situation notieren.

Nach der Situation:

  1. Dokumentiere die Diskriminierung: Wichtig ist, möglichst zeitnah ein Gedächtnisprotokolls über die diskriminierende Situation anzufertigen. Eine Vorlage findest Du hier.
  2. Suche Unterstützung in Deinem sozialen Umfeld: Hilfreich ist es auch, mit Menschen aus dem eigenen Umfeld zu sprechen, die Verständnis für Diskriminierungserfahrungen haben.
  3. Suche Professionelle Unterstützung: Der Besuch einer Antidiskriminierungsberatungsstelle kann sehr hilfreich sein. Dort kannst Du Dich an Berater:innen wenden, die Dich dabei unterstützen, das Erlebte einzuordnen oder zu verarbeiten.

Du bist nicht allein.

Manchmal hilft es auch einfach, mit Menschen zu sprechen, die ähnliche Erfahrungen in ähnlichen Kontexten gemacht haben. Auch dafür ist unsere Community da. Hier können sich Betroffene austauschen und gegenseitig unterstützen. Das betreffende Forum auf unserer Community-Plattform ist als sicherer Ort für Betroffene gedacht und darum nur für NdM-Mitglieder zugänglich.

Was müssen Redaktionen tun?

Kaum eine Redaktion will bewusst diskriminieren. Und dennoch treten Rassismus, Sexismus sowie Diskriminierungen aufgrund von Alter, Behinderung, sexueller Identität oder Orientierung in vielen Verlagen und Sendern in ganz Deutschland auf. Es ist deshalb besonders wichtig, diese Diskriminierungen als strukturelle Probleme unserer Gesellschaft anzuerkennen. Probleme, gegen die im Arbeitsalltag viel getan werden kann:

  1. Machen Sie nach innen und außen deutlich, dass Ihnen in Ihrer Redaktion Antidiskriminierungskultur wichtig ist.
  2. Schaffen Sie Räume, um über Diskriminierung zu sprechen. Sensibilisieren und schulen Sie alle Mitarbeiter:innen fortlaufend.
  3. Richten Sie eine Beschwerdestelle nach den AGG-Vorgaben ein. Hinweise, wie diese gestaltet sein sollte, finden Sie hier.
  4. Es reicht nicht, sich über Diskriminierung nur Gedanken zu machen: Es geht um Diversitätsgestaltung. Dafür kann beispielsweise ein Arbeitskreis „PoC in Redaktion/Sender XY“ eingerichtet werden, der Erfahrungen, Stimmen und Phänomene sammelt, ohne sie zu personalisieren, und diese zur Reflektion an die Redaktionsleitung gibt.
  5. Hilfreich ist auch eine diversitätsorientierte Organisationsentwicklung, die über das Problemfeld Diskriminierung hinausgeht. Der Antidiskriminierungsverband Deutschland (www.antidiskriminierung.org) und die Neuen Deutschen Medienmacher:innen können Stellen vermitteln, die bei einem solchen Prozess unterstützen.

Viele weitere Infos über Diskriminierung in Redaktionen und was Betroffene und ihre Verbündeten darüber wissen müssen, haben wir in einem handlichen Flyer zusammengefasst. Bei Interesse einfach per Mail-Formular bestellen – für Medienschaffene kostenlos ­­­– oder hier downloaden.

Wie kann ich als weiße Person ein:e gute:r Verbündete:r sein?

Offen über Diskriminierungen zu sprechen, wird für betroffene Journalist:innen leichter, wenn sie Verbündete in den Redaktionen haben – und jede:r kann sich für ein diskriminierungssensibles Arbeitsumfeld einsetzen:

  1. Werden Sie Mentor:in für eine:n marginalisierte:n Kolleg:in, zum Beispiel in unserem NdM-Mentoringprogramm: www.neuemedienmacher.de/mentoring
  2. Lassen Sie in Meetings, Redaktionskonferenzen oder Pitches gezielt marginalisierte Kolleg:innen zu Wort kommen und verstärken sie so ihre Stimmen und Beiträge.
  3. Setzen Sie sich klar gegen diskriminierende Sprache ein.
  4. Setzen Sie sich dafür ein, dass die Redaktion personell bewusst vielfältiger gestaltet wird. Es hilft Betroffenen, wenn diverse Kolleg:innen da sind, und bedeutet zudem einen Gewinn für die Redaktionskultur.
  5. Wertschätzen Sie die spezifischen Perspektiven und Kenntnisse, die ein:e Kolleg:in aufgrund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten marginalisierten Gruppe haben kann.
  6. Setzen Sie nicht voraus, sondern fragen Sie nach, on Kolleg:innen mit Diskriminierungserfahrungen über dieses Thema berichten wollen. Es kann für Betroffene belastend oder sogar traumatisch sein, dazu zu arbeiten.

Noch mehr Ratschläge für gute Verbündete stehen im folgenden Artikel, einem Leitfaden der US-amerikanischen Journalistin Emma Carew Grovum. Mit ihrer freundlichen Unterstützung und Einwilligung haben wir ihn für Redaktionen und Journalist:innen in Deutschland angepasst und übersetzt. Der Originaltext findet sich hier.

Wie du in deiner Redaktion zur:zum Verbündeten wirst

How to be an Ally in the Newsroom

Wer noch nie von Diskriminierung betroffen war, trägt eine große Verantwortung dafür, dass in der eigenen Redaktion ein angstfreies und ermutigendes Klima herrscht, so dass PoC-Kolleg:innen arbeiten können, ohne diskriminiert zu werden. Viele Kolleg:innen wünschen sich sogar, bessere Verbündete zu sein, haben aber keine Idee, was sie konkret dafür tun können.

Jede:r kann ein besserer Ally für marginalisierte Kolleg:innen sein – und damit jetzt beginnen.

Für Menschen in allen Bereichen der Arbeitswelt, die bessere Verbündete werden wollen, stehen bereits eine Menge großartiger Ressourcen zur Verfügung. Dieser Leitfaden versammelt einige davon und wird sie ausgerichtet auf Nachrichtenredaktionen und Teams von Journalist:innen vorstellen.

Dabei sollte allerdings beachtet werden, dass kein Leitfaden so vollständig sein kann, dass er jede einzelne Identität und jedes Konfliktpotenzial berücksichtigt. Es wird auch hier Lücken und fehlende Informationen geben.

Der vorliegende Leitfaden für Journalist:innen ist ein Einstieg in die Praxis als gute:r Verbündeter. Einige der Tipps kannst du direkt umsetzen und es wird Schritte geben, die du mit deinen Chef:innen, deren Chef:innen oder mit dem ganzen Team teilen kannst.

Der einfachste Schritt zuerst

Das Einfachste, das du tun kannst, ist, diesen Leitfaden zu teilen. Poste ihn bei Twitter und Facebook, oder teile ihn in deiner Lieblings-Slack-Community. Schicke ihn per E-Mail an Freund:innen und Kolleg:innen. Drucke ihn aus und hänge ihn im Pausenraum neben die Kaffeemaschine - am besten noch mit Markierungen der wichtigsten Passagen. Teile ihn auch mit dem Führungsteam deiner Redaktion.

Was es bedeutet, ein:e Verbündete:r zu sein

Wer kann ein Ally sein? Du! Jede Person, die ihre eigenen Privilegien anerkennt, die Diversität und Inklusion unterstützen möchte, kann diese Aufgabe übernehmen.

Aber was bedeutet das genau? Ein:e Verbündete:r zu sein bedeutet mehr als nur anzuerkennen, dass gesellschaftlich marginalisierte Menschen genauso wertvoll sind und einen Platz in der Gesellschaft und im Journalismus haben. Es bedeutet:

  • Aus der eigenen Komfortzone heraus zu treten
  • Freund:innen und Kolleg:innen zu unterstützen
  • Mutig und entschlossen neue Ideen zu vertreten und sich für Inklusion und Diversity einzusetzen

Wie sieht das also im Alltag aus? Wir haben diese Liste von Ideen und Tipps in drei Kapitel für verschiedene Typen von Verbündeten aufgeteilt. Vielleicht hast du noch nie in deinem Leben über Diversität und Inklusion nachgedacht und während du diesen Artikel liest, hast du gerade einen Aha-Moment. Vielleicht hat dir jemanden diesen Artikel weitergeleitet und du liest gerade unmotiviert drüber. Vielleicht hast du das Gefühl, du machst schon das Richtige und willst jetzt versuchen, ein:e noch bessere:r Verbündete:r zu werden.

Egal auf welcher Stufe du gerade bist: Du kannst noch heute etwas verändern, indem du neue Verhaltensweisen ausprobierst oder einfach diesen Leitfaden mit jemandem teilst, der oder die sich mehr mit dem Thema auseinandersetzen sollte.

Du bist hier. Du bist bereit. Du bist gewillt. Los geht’s.

Was du sofort tun kannst

Diese Liste ist für alle, die sofort und direkt etwas verändern wollen wollen. Es gibt einfache Schritte, die du oder andere umsetzen können.

  • Normalisiere es, ein bevorzugtes Pronomen zu benutzen (z.B. Pronomen: sie), indem du bei deinem eigenen anfängst und es überall updatest, wo du kannst. Das zeigt anderen, dass du dir über das Konzept von Pronomen bewusst bist und die bevorzugten Pronomen anderer respektierst. Orte und Stellen, wo du dein eigenes Pronomen einfügen oder updaten kannst:
    • E-Mail Unterschrift
    • Slack Profil
    • Twitter/Facebook Bio
    • Namensschilder bei Events
  • Vermeide es, andere bei Meetings zu unterbrechen. Vor allem Frauen. Vor allem Frauen of Color. Vor allem introvertierte Teammitglieder. Aber ganz allgemein: Sei einfach höflich und zeige gute Manieren – so wirst du gar nicht erst in die Lage kommen, andere zu unterbrechen und zu überstimmen.
  • Teile mit deinen Kolleg:innen, was du verdienst. Wenn du ein Mann bist, erzähle einer Frau von deinem Gehalt. Wenn du weiß bist, erzähle Kolleg:innen of Color was du verdienst. Transparenz beim Thema Geld und Gehalt ist einfach zu erreichen, formell oder informell.
  • Nimm bewusst wahr, welche Aufgaben in Deiner Redaktion, oft von Frauen übernommen werden, was „emotionale Arbeit“ ist (dazu gehören beispielsweise Protokoll führen bei Meetings, Veranstaltungen und Treffen organisieren, Geburtstagskarten besorgen, Mittagessen fürs Team bestellen, nach Partys aufräumen, etc.), und finde Wege, solche Aufgaben selbst zu übernehmen. Am einfachsten ist es, sich dafür zu melden oder simpel mitzuhelfen.
  • Analysiere was du online teilst, sei es privat oder für Arbeitszwecke. Teilst du mehrheitlich heterosexuelle, weiße, männliche Stimmen auf Twitter oder Facebook? Analysiere genauso deine eigene Arbeit, wenn du mit Quellen arbeitest: Zitierst du regelmäßig Frauen, queere Frauen, Frauen of Color etc.?
  • Analysiere deine Social Media-Feeds: Folgst du hauptsächlich Journalist:innen, die die gleiche Arbeit machen wie du? Folgst du Menschen, die neue Stimmen und Perspektiven in deine Timeline bringen, oder befindest du dich in einer Art Echokammer? Wenn du feststellst, dass deine Informationsquellen zu homogen sind oder alle gleichförmig klingen, nimm dir 30 Minuten Zeit, um nach zehn neuen Stimmen zu suchen, denen du folgen kannst.

    Wenn du gerne auf politische Events gehst, besuche doch mal welche, die von migrantischen, queeren, feministischen, rassismuskritischen Gruppen organisiert werden und tweete darüber. Du kannst ihre Vereine mit einer Spende unterstützen, als Mitglied beitreten oder zu Spendenaktionen für Studienstipendien beitragen. Unterstütze Deine lokalen Medien, wenn sie sich bereits für Vielfalt, Diversity und Inklusion einsetzen.

Was du als nächstes tun kannst

Grundlagen

Dies sind Aktionen, Schritte oder Verhaltensweisen, die du in deinen Alltag einbauen kannst. Das Wichtigste dabei ist: Übung. Diese Schritte werden für dich am Anfang vielleicht unangenehm sein, aber dazu sind sie auch gedacht. Veränderungen passieren nicht über Nacht, aber hier sind einige Ideen für Verbündete, die aktiv werden und das eigene Verhalten wirklich ändern wollen:

  • Engagiere Dich als Mentor:in, Coach oder Sponsor:in und unterstütze jemanden, der:die einen anderen Hintergrund hat als du. Das kann ganz einfach geschehen, indem du die Person beispielsweise auf einen Kaffee einlädst und dich über ihre:seine Karriereziele informierst. Oder es kann etwas komplizierter werden, wie zum Beispiel, dass du jemandem aus deinem Netzwerk für einen neuen Job oder eine Beförderung empfiehlst (hier natürlich auch wieder jemand, der:die nicht aussieht wie du, und nicht den gleichen Background hat wie du).
  • Unterstütze aktiv die Stimmen marginalisierter Kolleg:innen. Zum Beispiel so:
    • „Wir haben bis jetzt viel von Todd gehört, aber es würde mich auch interessieren, mehr darüber zu hören, was du denkst Emma.“
    • „Die Idee klingt sehr gut Esra, kannst du sie noch weiter ausführen?“
  • Setze dich gegen toxisches oder diskriminierendes Verhalten und Sprache ein. Das beinhaltet auch Mikroaggressionen und Handlungen, die oft (fälschlich) als „alltäglicher“ oder „harmloser“ Rassismus/Sexismus/Homofeindlichkeit bezeichnet werden. Wenn du in solchen schwierigen Situationen immer nur auf der Seite der Mehrheit, der Privilegierten oder der diskriminierenden Person warst, ist es schwer zu begreifen, wie groß die Wirkung einer einfachen Intervention sein kann. Aber es ist wichtig, dass jemand das Wort ergreift und sagt: „Hey, das ist nicht cool.“ Also zögere nicht und werde aktiv.
  • Wo wir gerade über Freund:innen sprechen: Geh raus und finde welche! Eine Sache, über die du die komplette Kontrolle hast, ist die Diversität deines Freund:innenkreises und deines persönlichen oder professionellen Netzwerks. Es bereichert nicht nur deinen eigenen Erfahrungshorizont, sondern du kannst auch Antworten liefern, wenn dich dein:e Chef:in fragt: „Kennst du diversere Kandidat:innen?“ Wenn es talentierte Journalist:innen of Color oder queere Journalist:innen gibt, deren Arbeit du bewunderst, nimm Kontakt zu ihnen auf. Trefft euch, vernetzt euch, arbeitet zusammen, empfehle sie für Jobs weiter. Nutze das Internet! Wenn du Journalist:in bist, suchst du schließlich permanent nach neuen Menschen, findest Kontakte, triffst Fremde – das gehört zu deinem Job.
  • Erfahrungsgemäß bekommen Frauen und People of Color im Beruf oft Probleme, wenn sie selbst sich für mehr Diversität aussprechen. Wenn du dich also in einer privilegierten Position befinden solltest, nutze sie, um Veränderungen in Deiner Redaktion zu bewirken. Es ist traurig aber wahr, dass in vielen Unternehmen dieselbe Idee für mehr Diversität im Betrieb besser angenommen wird, wenn sie von einem weißen Mann vorgeschlagen wird, als wenn sie von einer Frau of Color kommt.
  • Sei bescheiden, wenn es um deine kulturellen Kompetenzen geht. Gesteh dir ein, dass es viele Sachen gibt, die du noch nicht weißt und bilde dich weiter.
  • Nutze deine Privilegien, um Kolleg:innen Gehör zu verschaffen, die sonst vielleicht weniger gehört werden, mache auf sie aufmerksam:
    • Sei großzügig mit Komplimenten, und gib sie am besten im Rahmen einer E-Mail weiter, in der zum Beispiel ihre:seine Vorgesetzte in cc ist.
    • Sei mit Autor:innenzeilen und Credits bei Veröffentlichungen besonders großzügig.
 
Größere Aktionen

Diese Tipps und Ideen sind nicht nur für Kolleg:innen mit Privilegien, sondern auch für alle in Machtpositionen gedacht. Vielleicht leitest du ein Team? Vielleicht arbeitest du in der Personalabteilung deines Medienhauses und entscheidest beim Einstellungsprozess mit? Vielleicht bist du eine hochrangige Führungskraft und willst Deine Unternehmenskultur durch Inklusivität bereichern und willst Prioritäten für Menschen mit diversen Lebenserfahrungen und Denkweisen setzen? Dann sind hier einige Schritte, um weitreichende Veränderungen einzuleiten:

  • Veröffentliche eure Jobangebote weit und breit. Frag herum, in welchen Kreisen, Facebook-Gruppen und Slack-Communities du sie neben den herkömmlichen Webseiten und E-Mail-Verteilern noch posten könntest. Es kann auch vorkommen, dass du für manche Optionen bezahlen musst – das ist in Ordnung! Es kostet Geld, in Diversity und Inklusion zu investieren.
  • Veranstalte Trainings über unbewusste Vorurteile für alle Führungskräfte oder sogar alle Mitarbeitenden.
  • Bringe regelmäßig Redner:innen und die Sprecher:innen von marginalisierten Communities ins Haus. Das könnte bedeuten, dass Du einen Schritt aus deiner Komfortzone heraustreten musst, dich involvierst und neue Leute triffst. Keine Angst! Es ist ein guter Weg zu zeigen, dass du diverse Stimmen und Perspektiven wertschätzt, auch wenn deine aktulle Belegschaft das noch nicht repräsentiert.
  • Verpflichte Dich öffentlich dazu, nicht an Veranstaltungen teilzunehmen, wenn die Redner:innenliste nicht vielfältig ist. Das gilt auch für Vorträge, Podiumsdiskussionen und Workshops. Bringe deine Mitarbeitenden dazu, kritisch zu hinterfragen, ob sie in rein männlichen oder rein weißen Gremien arbeiten wollen. Und sollten bei dir Menschen aus marginalisierten Gesellschaftsgruppen arbeiten: Tu was du kannst, um ihre Stimmen zu verstärken und ihr Profil zu schärfen. Unterstütze sie, wenn sie darum bitten, an Konferenzen oder Workshops teilzunehmen oder auf Veranstaltungen eine Redebeitrag planen. Ddas kann bedeuten, ihnen die nötige Zeit frei zu geben und anzubieten, für Reisekosten aufzukommen.
  • Nimm Meldungen über Vorurteile, Diskriminierung und toxisches Verhalten am Arbeitsplatz sehr ernst. Zeige keinerlei Toleranz gegenüber Mitarbeitenden, die sich so verhalten.
  • Erleichtere es deinen Mitarbeiter:innen, Diskriminierung, Vorurteile und toxisches Verhalten zu melden, indem du anonyme Kanäle zur Verfügung stellst und diese bekannt machst. Teile deinem Team mit, wie diese Meldungen behandelt und überprüft werden.

Ein paar Warnungen

Denk dran, dass Menschen, die gesellschaftlich marginalisierten Gruppen angehören, ganz verschiedene Lebenserfahrungen haben. Es gibt nicht die eine universelle Erfahrung, die alle Frauen oder alle Asiat:innen oder alle queeren Menschen haben. Gehe nicht davon aus, Expert:in für die Lebenswelt von jemandem zu sein, nur weil du „eine:n [kulturellen Hintergrund, Geschlecht, sexuelle Orientierung einfügen] Freund:in hast“. Es ist nie okay, dich zu rechtfertigen mit dem Einwand „Aber ich habe eine:n [kulturellen Hintergrund, Geschlecht, sexuelle Orientierung einfügen] Freund:in“.

A für „Anstrengung“

Lasst uns letztlich auch anerkennen, dass all das anstrengend sein wird. Hier ein paar Gedanken dazu, welche Art von Einsatz erforderlich ist:

  • Es ist besser, ungeschickte Versuche zu wagen, um sich als Verbündete:r zu zeigen, als sich nur zurückzulehnen und nichts zu tun. Schweigen bedeutet Akzeptanz. Verhalte dich nicht gleichgültig, werde nicht mitschuldig an toxischem Verhalten.
  • Bilde dich weiter! Wenn du diesen Artikel liest, machst du bereits den ersten Schritt. Wenn du nicht genau weißt, wie du an jemanden herantreten sollst, der oder die anders ist als du, dann frage höflich nach. Dabei kannst du natürlich auch negative Erfahrungen machen – viele Betroffene sind erschöpft davon, alle um sie herum ständig aufklären zu müssen. Aber du wirst auch oft Anerkennung dafür finden, dass du dich bemühst und besser darin werden willst.
  • Fürs Teilnehmen gibt’s kein Urkunde… Sorry, ihr bekommt keine täglichen Trophäen, Aufkleber oder goldene Sternchen dafür, dass ihr erfolgreiche Verbündete für Frauen, PoC’s oder queere Kolleg:innen seid. Tut es, weil es richtig ist.
  • Du kannst viel machen, aber auch nicht alles allein. Erkenne, wann es an der Zeit ist, professionelle Hilfe zu holen oder deine Vorgesetzten einzuschalten.

Danke

Zum Schluss noch ein großes Dankeschön, an all die Menschen aus meiner Community und meinem Netzwerk, die mir dabei geholfen haben mich, in vielseitigen Themenbereichen zu bilden, während ich diese Liste vorbereitet habe.

Jahna Berry, Rubina Madan Fillion, Amanda Hickman, Madi Alexander, Elaina Potts, Destinee-Charisse Royal, Karen Yin, Nicole Zhu, Lam Thuy Vo, Ted Han, Yoli Martinez, The JOC Slack, with permission, The News Nerdery Slack #nerdettes channel, with permission

 

Der Artikel erschien zuerst unter der Überschrift „How to Be an Ally in the Newsroom“ auf https://source.opennews.org/articles/how-be-ally-newsroom/. Er wurde mit freundlicher Genehmigung der Autorin Emma Carew Grovum übersetzt und überarbeitet.