Wir sagen Nein zu Enshittification

und Ja zu mehr Unabhängigkeit!

In dieser Ausgabe: eine neue Checkliste für Redaktionen: bessere Symbolbilder, wenn’s um Religion geht, eine neue Runde Investigativ-Fellowship und neue Studien zu Medien und Journalismus, kurz und bündig für euch zusammengefasst

Hallo,

das Jahr hat gerade mal begonnen und es geht gleich los. Es gibt ein Phänomen namens “Enshittification”, das besagt, dass Plattformen mit der Zeit immer nerviger und schlechter werden, weil sie immer mehr rausholen wollen, erst aus Nutzer*innen, dann aus Publishern, dann aus allen. Am Ende bleibt weniger Qualität und mehr, naja, Müll. Deswegen setzen wir dieses Jahr stärker auf eigene Kanäle (und damit auch Unabhängigkeit): neue Website (kommt bald!), mehr Abonnent*innen für unseren Newsletter (Nicht vergessen, ihn weiterleiten, wenn er Dir gefallen hat heute), und vor allem ein direkter Draht zu unserer Community.

2026 ist das Jahr des Pferdes in der chinesischen Astrologie, und als solches steht das bevorstehende Jahr für *checks notes* Abenteuer, Freiheit und Energie. Mit dem Superwahljahr 2026 in Deutschland und den andauernden Feindseligkeiten aus den USA werden wir dieses Jahr definitiv viele (weitere) Abenteuer erleben. Für all das brauchen wir natürlich Energie, und die haben wir jetzt zu Anfang des Jahres gleich erhalten – mit der Auszeichnung „Goldenen Brandmauer“!

Wir sind mit einem kleineren Team ins neue Jahr gestartet und vieles ist noch im Aufbau. Aber das erzählen wir Dir nächsten Monat nochmal genauer. Bis dahin gibt’s in unserer Januar-Ausgabe:

  • eine neue Checkliste für Redaktionen: bessere Symbolbilder, wenn’s um Religion geht
  • Eine neue Runde Investigativ-Fellowship!
  • neue Studien zu Medien und Journalismus, kurz und bündig für euch zusammengefasst
  • Nur für Mitglieder: Viele Veranstaltungstipps sowie handkuratierte Ausschreibungen für Jobs und Fellowships in ganz Deutschland (Bist du eigentlich schon Mitglied?)

Auf ins neue Jahr,

Deine Neuen deutschen Medienmacher*innen

Was gibt's Neues?

Neues Jahr, neue Runde Gemeinsam mit Netzwerk Recherche schreiben wir eine neue Runde des Investigativ Fellowships aus. Drei Monate Praktikum in einer renommierten Investigativredaktion, ein Stipendium, exklusive Workshops und Zugang zum Netzwerk recherchierender Journalist*innen – damit wollen wir die Vielfalt stärken. Bewerbung bis zum 23. Februar 2026. Mehr dazu

Neue Bilder für vielfältige Perspektiven Bilder prägen, wie wir über Religion und Gesellschaft denken. Im Projekt “Beyond the Frame” sind neue Bildserien entstanden, die gängige Symbolbilder bewusst hinterfragen und vielfältigere Perspektiven sichtbar machen. Ab sofort findest Du eine große Auswahl der Bilder in der Fotodatenbank Gesellschaftsbilder.

Bleiben wir beim Thema: Checklisten-Alarm! Ergänzend dazu haben wir für Redaktionen eine Checkliste entwickelt, die zentrale Kriterien zusammenfasst und dabei unterstützt, religiöse Vielfalt fair, kontextualisiert und respektvoll darzustellen. Mehr dazu

Was sagt die neueste Forschung zu Manipulation? Wir haben Nachrichten aus unserem Kooperationsprojekt “toneshift”: Desinformation und KI verändern, wie wir Informationen wahrnehmen. Der neue Atlas “Wahrheit und Wissen im digitalen Wandel” (IDZ & GMK) fasst aktuelle Forschung verständlich auf und zeigt, wie sich Manipulation erkennen lässt und welche Folgen sie für Medienbildung und Politik hat. Mehr dazu

Unsere nächsten Veranstaltungen

Stammtisch Stuttgart
22. Januar 2026, 19:00–20:00 Uhr, Schlampazius (Wagenburgstraße 147, Stuttgart)
Unser regionales Netzwerk in Stuttgart lädt zum Stammtisch für Vernetzung, Fragen und lockeren Austausch ein. Nur Mitglieder sind eingeladen. Werde Mitglied hier

Auf dem Radar

10 Jahre Übermedien Wir gratulieren zum Jubiläum und zehn Jahren Medienkritik. Mehr dazu

Was steht 2026 für den Journalismus an? Ein neuer Reuters-Report erwartet mehr Answer Engines, weniger Such-Traffic und den Aufstieg von News-Influencern. Mehr dazu

„Journalismus unter Druck” Studien zeigen: Stress durch Personalabbau trifft auf wachsende Diffamierung in sozialen Netzwerken. Mehr dazu

Für belastete Journalist*innen: Die Helpline von Netzwerk Recherche bietet anonyme, kostenlose Telefonberatung bei mentaler Belastung: 030 7543 7633 (Mo–Fr, 18–19 Uhr)

KI und die neue Entfremdung Bianca Kastl warnt: KI-Hype fördert Entfremdung und Ressourcenverschwendung. Mehr dazu

Presserat rügt DIE WELT Wegen „gravierender Irreführung” über angebliche Geheimverträge zwischen NGOs und der EU-Kommission. Mehr dazu

„Debatte” um Daniel Günther Eine Aussage des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein bei Markus Lanz wurde verkürzt und als „Zensur“-Debatte geframed. Ein irreführender Clip von Nius ließ den Kontext Jugendschutz und Social Media weg, Medien zogen spät nach. Wir sagen: Wenn Redaktionen Zuspitzungen weiterverbreiten, ohne sie zu prüfen, verstärken sie Desinformation selbst. Mehr dazu

Perspektivwechsel in der Iran-Berichterstattung Der Journalist Omid Rezaee im kritisiert Video-Beitrag des Medienmagazins ZAPP, dass deutsche Medien zu oft auf etablierte Stimmen der Diaspora setzen, statt die aktuelle Realität vor Ort durch Menschen abzubilden, die erst kürzlich im Iran gelebt oder dort journalistisch gearbeitet haben. Mehr dazu

Buch-Tipp: Baba Issues Die Journalistin Tessniem Kadiri schreibt autobiografisch über die Beziehung zu ihrem Vater, Patriarchat und Emanzipation. Mehr dazu

„Nalan’s Kitchen” Neue deutsch-türkische Kochshow: Rezepte plus Migrationsgeschichten aus privaten Küchen. Mehr dazu

Mehr davon, danke

Das Thema: Ibrahim Akkuş

Kurz vor dem sechsten Jahrestag des rassistischen Attentats von Hanau ist Ibrahim Akkuş im Alter von 70 Jahren verstorben. Der taz-Bericht dokumentiert, dass sein Tod am 10. Januar 2026 eine direkte Folge der schweren Verletzungen war, die ihm der rechtsextreme Täter am 19. Februar 2020 in der Arena-Bar zugefügt hatte. Damit erhöht sich die Zahl der Todesopfer des Anschlags auch Jahre nach der Tatnacht.

Warum das wichtig ist?

Der Fall macht die Langzeitfolgen rassistischen Anschlags sichtbar, die oft aus dem öffentlichen Fokus geraten. Er zeigt die prekäre Lebenssituation der Überlebenden: Akkuş verbrachte seine letzten Jahre isoliert in einer nicht barrierefreien Wohnung und kämpfte mit Armut sowie chronischen Schmerzen. Sein Tod erinnert daran, dass die staatliche Unterstützung und der gesellschaftliche Diskurs über Hanau auch sechs Jahre später noch erhebliche Defizite bei der Versorgung der Schwerverletzten aufweisen.

Zum Artikel in der taz